Ein Projekttag zu Sterben und Tod – und wie wir Jugendlichen darüber denken

  04.03.2026    Kinder und Jugend
Ein Tag, der uns ein schwieriges Thema näherbrachte

Als unsere Konfigruppe hörte, dass wir einen ganzen Tag lang über Sterben und Tod sprechen würden, war die Stimmung zunächst eher zurückhaltend. Viele von uns wussten nicht, was uns erwartet. Doch schon am Morgen merkten wir: Es ging nicht darum, Angst zu machen, sondern ehrlich über ein Thema zu sprechen, das jeden Menschen betrifft. Sterben und Tod sind Themen, die oft verdrängt werden, weil sie unsicher und beängstigend wirken. Aber genau deshalb war dieser Projekttag so wichtig: Er sollte uns helfen, Fragen zu stellen und Antworten zu finden.

Wir begannen mit einer Gesprächsrunde. Was verbinden wir mit dem Sterben? Welche Bestattungsarten kennen wir? Gemeinsam sammelten wir Ideen – manche waren uns vertraut, andere neu. Es tat gut, dass jede Frage erlaubt war und niemand etwas falsch machen konnte. Diese Offenheit hat uns Mut gemacht, auch persönliche Gedanken zu teilen. Manche erzählten von Erfahrungen in der Familie, andere fragten, wie eine Beerdigung abläuft. Schon hier wurde deutlich: Jeder hat seine eigene Sicht auf das Thema.

Später kamen Mitarbeitende aus einem Hospiz zu uns. Mit ihnen sprachen wir darüber, wie Menschen mit dem Thema Sterben umgehen und welche Vorstellungen sie in ihrer letzten Lebensphase haben. Es war weniger ein Vortrag, sondern ein ehrlicher Austausch. Wir erfuhren, wie wichtig es ist, Menschen in dieser Zeit nicht allein zu lassen. Die Hospizmitarbeitenden erzählten von Gesprächen mit Sterbenden, von Wünschen und Ängsten. Das hat uns gezeigt: Sterben ist nicht nur ein medizinischer Vorgang, sondern ein zutiefst menschlicher Prozess.

Danach sahen wir ein Video, das zeigte, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn jemand stirbt. Manche Szenen haben mich persönlich berührt, weil sie so ehrlich waren. In der Diskussion danach merkten wir alle: Trauer ist sehr individuell. Jeder geht anders damit um – manche weinen, andere schweigen, wieder andere suchen Nähe. Diese Erkenntnis hat uns geholfen, zu verstehen, dass es kein 'richtig' oder 'falsch' gibt, wenn man Abschied nimmt.

Zur Mittagspause gab es Pizza – ein kurzer Moment zum Durchatmen. Der Vormittag hatte uns mehr beschäftigt, als viele erwartet hatten. Wir lachten, redeten über andere Dinge und merkten, wie wichtig solche Pausen sind, wenn man sich mit einem schweren Thema auseinandersetzt.

Am Nachmittag besuchten wir einen Bestatter. Dort erfuhren wir, wie viel Organisation hinter einer Beerdigung steckt und wie wichtig es ist, Angehörige in dieser Zeit zu unterstützen. Wir durften Fragen stellen: Wie bereitet man eine Trauerfeier vor? Was passiert, wenn jemand keine Angehörigen hat? Die Antworten waren spannend und manchmal überraschend. Zum Abschluss machten wir eine Rallye auf dem Friedhof. Das war eine besondere Art, den Aufbau eines Friedhofs zu entdecken. Wir lernten, warum bestimmte Bereiche so angeordnet sind und welche Bedeutung sie haben. Es fühlte sich weniger bedrückend an, als ich gedacht hätte – eher ruhig und respektvoll. Manche von uns fanden sogar Grabsteine mit schönen Sprüchen, die zum Nachdenken anregten.

Am Anfang hatte ich Angst, über den Tod zu reden. Aber ich habe gelernt: Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Für mich bedeutet Sterben nicht nur Abschied, sondern auch, dass das Leben wertvoll ist. Viele von uns denken ähnlich: Wir wollen nicht ständig daran erinnert werden, aber wir wollen verstehen, was passiert – und wie wir damit umgehen können. Dieser Projekttag hat das Thema für mich weniger fremd gemacht. Ich habe keine Angst mehr, Fragen zu stellen. Vielleicht ist das der wichtigste Schritt: offen reden, statt schweigen. Ich glaube, dass solche Tage uns helfen, nicht nur Wissen zu sammeln, sondern auch Mitgefühl zu entwickeln. Denn Sterben gehört zum Leben – und darüber zu reden, macht uns nicht schwächer, sondern stärker.

Ole Hilgenberg

 

Wir danken den Ehrenamtlichen Gaby Monath und Conni Pivit vom Hospiz Detmold für die Gestaltung des Kurses „Letzte Hilfe“ und dem Bestatter Mario Lesemann aus Blomberg, dass er seine Tür für die Konfis geöffnet und jede Frage gerne beantwortet hat!

Lena Skirka